Wie kann Fitness bei Diabetes helfen?

Diabetes mellitus ist zu einem Volksleiden mutiert. Laut WHO, der World-Health-Organisation, stieg die Anzahl der “Zuckerkranken” in den letzten Jahren enorm. Schätzungen der WHO zur Folge sollen somit 1980 in Europa 33 Millionen Menschen betroffen gewesen sein, 2014 hingegen waren es schon 64 Millionen. Ca. 90% davon erkrankten an Diabetes-Typ-2, auch Altersdiabetes genannt.
Prof. Dr. Daniel Kaptain beschreibt die Schlüsselvorgänge:

Mindestens 7 Millionen Deutsche sind von Diabetes betroffen – die Dunkelziffer ist allerdings hoch.

Eine Erkrankung mit hoher Dunkelziffer

Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung der deutschen Bevölkerung. Man geht derzeit von ca. 7 Millionen Betroffenen aus, auch hier mit deutlich steigender Tendenz. Vermutlich gibt es sogar zusätzlich 1-2 Millionen Diabetiker, die noch gar nicht erkannt sind.

Die Diagnose 

Ob eine solche Stoffwechselerkrankung vorliegt, wird mittels Testparametern medizinisch diagonisitziert. Diese sind nach Definition der WHO (1999) : Das Überschreiten eines Grenzwert für den Nüchternblutzucker von 126 mg/dl (7,0 mmol/l) beim Glukosetoleranztest:
Auf nüchternen Magen werden 75 g wassergelöste Glukose zugeführt und über 2 Stunden der Blutzuckerverlauf protokolliert. Hier ist ein positiver Befund gegeben, wenn 200 mg/dl (11,1 mmol/l) erreicht oder überschritten wurde.

In den vergangenen 60 Jahren hat sich der tägliche Energieverbrauch der erwachsenen Bevölkerung wegen der Technisierung und Automatisierung um etwa 400 Kalorien verringert.

Die Anzeichen 

Die klassischen Anzeichen, die auf eine Stoffwechselerkrankung hinweisen, sind ein sehr häufiges Wasserlassen, ein sehr hohes und vermehrtes Durstgefühl  und Gewichtsabnahme, die mit einem zufällig gemessenen Blutzucker von >200 mg/dl zusammentreffen. 

Die Ursachen

Die Ursachen für den Diabetes Typ 2 sind ganz verschieden: Ein geringer Teil geht auf eine genetische Veranlagung zurück.
Ein sehr großer Betroffenenkreis ist auf Bewegungsmangel und Fehl- bzw. Überernährung zu schließen – was gleichermaßen eine Begründung dafür ist, dass diese Erkrankung in den letzten Jahren so rasante Zuwächse verzeichnet.
In den vergangenen 60 Jahren hat sich der tägliche Energieverbrauch der erwachsenen Bevölkerung um etwa 400 Kalorien verringert. Fachleute führen das auf die zunehmende Technisierung und Automatisierung zurück. Diese habe dazu geführt, dass das stoffwechselaktive Muskelgewebe durch den immer passiveren Lebenswandel weniger ausgeprägt ist. Das senke den Energiebedarf des Körpers weiter ab. Im selben Zeitraum sei die Kalorienaufnahme, vor allem der Konsum von Weißmehlprodukten und verarbeiteten Transfetten, rasant angewachsen. Dieses Auseinanderdriften von geringerem Kalorienbedarf und gesteigertem Konsum könne mitverantwortlich für die Zunahme von Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes Typ 2 sein.

Insulin wird bei der Nahrungsaufnahme ausgeschüttet.
Während eines hohen Insulinspiegels wird kaum Fett verbrannt.

Viele Kohlenhydrate, viel Zucker, hoher Insulinspiegel

Es ist unser „moderner“ Lebenswandel, der hohe Zuckerkonsum und die nicht mehr ausreichende Energieverwertung, die hier ein zu lösendes Problem darstellen. Unser Körper schüttet das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, aus, wenn wir Nahrung aufnehmen, um es in Muskelzellen zu schleusen. In den Muskelzellen werden diese Makronährstoffe zu Energiegewinnung herangezogen. Die Insulinausschüttung ist v.a. bei einfachen Kohlenhydraten, wie bei Zucker, besonders hoch, da sich diese Nährstoffe besonders schnell in Energie umwandeln lassen. Diese primäre Verwertung wird unterstützt, indem die Fettverwertung während eines hohen Insulinspiegels im Blut heruntergeregelt bleibt. Ist also der Blutzuckerspiegel – und damit der Insulinspiegel – hoch, verbrennen wir kaum Fett. Dieses System funktioniert nur so lange gut und ohne negative Folgen, wenn die Zellen einen Energie- und damit Nährstoffbedarf haben. Wenn wir uns jedoch kaum bewegen, bleiben die Energiedepots in den Zellen gefüllt und Nachschub ist nicht nötig. Die Zellen können auch keinen weiteren aufnehmen. Dies wird durch intrazelluläre Rezeptoren gesteuert und geregelt. Somit kommt es zu einem Blutzuckerspiegelanstieg, der sich dauerhaft manifestiert. Unser Regelsystem im Gehirn nimmt somit einen latenten Blutzuckerspiegel war, was die Bauchspeicheldrüse zur weiteren Insulinausschüttung aktiviert.

Die Insulinresistenz

Je mehr Insulin im Blut ist, desto stärker regeln die Rezeptoren in den Zellen die Sensibilität ab, da eine weitere Aufnahme nicht möglich ist. Eine Insulinresistenz ist gegeben.
Diese Resistenz tritt zuerst an den Muskelzellen auf, Fettzellen jedoch stehen zur Einlagerung von Zucker als Notreserve bereit. Dies führt bei latent hohem Blutzuckerspiegel zur Einlagerung von Kohlenhydraten in die Fettzellen. Ein Teufelskreis!
Jetzt wird ersichtlich, warum die Bedeutung von Bewegung, also eine Energieverwertung und Erhöhung des Nährstoffbedarfs, und eine bedarfsgerechte Ernährung – Kalorienbedarf und Reduktion von Zucker – so bedeutsam sind.

Je mehr Muskeln, desto höher der Energiebedarf, desto höher die Insulinsensitivität!
Bewegung bewirkt ein verbessertes Ansprechen der Zellen auf das Hormon Insulin.

Die Lösung: Körperliche Bewegung

Gleichzeitig ist der Aufbau von Muskelmasse eine elementare Strategie zur Stabilisierung des Stoffwechsels. Die physische Aktivität lässt die Zellen besser auf das Hormon Insulin ansprechen. Dadurch kann einerseits im Anfangsstadium das Auftreten des Diabetes hinausgezögert werden. Andererseits kann bei einem manifesten Diabetes durch regelmäßige körperliche Bewegung die Medikamentendosis verringert werden.
Selbst mit Diabetes ist es möglich, ausreichend intensiv zu trainieren. Allerdings ist in diesen Fällen ein optimiertes Insulin-Kohlenhydrat-Management unverzichtbar, da insbesondere hochintensive Belastungen zu einer ausgeprägten Hypoglykämie, einem Unterzucker, führen können, die nicht selten auch mehrere Stunden nach Belastungsende auftritt. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass das persönliche Umfeld des Betroffenen von seinem Diabetes weiß, um im Notfall unverzüglich adäquat eingreifen zu können. 

Krafttraining ist deshalb so sinnvoll, weil bereits die Zunahme von zwei Kilogramm Muskelmasse den Stoffwechsel um etwa 10 Prozent anhebt.

So schützt Training und Bewegung vor Stoffwechselkrankheiten

Wer abnehmen will, muss den richtigen Mix aus Ausdauer- und Krafttraining finden. Die oben bereits beschriebene Trainingsstrategie sollte heißen: Möglichst viel Energie muss verstoffwechselt werden!
Einerseits durch Muskelaufbau, da hier der Energiebedarf in Ruhe und bei Belastung zunimmt, und ein intensives, energieverbrauchendes Training.
Experten der WHO empfehlen ein Mindestmaß von 90 Minuten Aktivität pro Woche. Gegen Übergewicht und Diabetes schützt vor allem die richtige Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining.
Ein möglichst langfristiges und regelmäßiges Programm sollte sowohl ein moderates Ausdauertraining zur Fettstoffwechselmobilisierung, als auch zur Fettverbrennung und ein kraftorientiertes Training zum Aufbau von stoffwechselaktiven Muskeln umfassen.
Das trifft zum Beispiel auf ein Fitnesstraining zu, bei dem abwechselnd Krafttraining und Ausdauertraining von jeweils 20-30 Minuten Dauer kombiniert wird. Krafttraining sei sinnvoll, weil bereits die Zunahme von zwei Kilogramm Muskelmasse den Stoffwechsel um etwa zehn Prozent anhebt.
So kann Sport bei Diabetes helfen.

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